Techrider, Soundchecks und andere Dinge.

Veröffentlicht: 2016-09-12, Aktualisiert: 2016-09-12

Die Anzahl der wirklich guten Techrider, die ich in den letzten drei Jahren gesehen habe, kann ich an zwei Händen abzählen. Fast immer muss ich feststellen, dass Bands einfach keine Ahnung haben was ich als Techniker von ihnen wissen möchte. Da der Techrider aber von unschätzbarem Wert für den geschmeidigen Ablauf einer Veranstaltung ist gibt es hier ein Kochbuch für einen sinnvollen Techrider, sowie begleitende Erklärungen wieso ihr das so tun solltet.

Auch das vorgehen beim Soundcheck reiße ich kurz an, damit wir alle stressfrei und effizient durch die notwendigen Vorbereitungen kommen. Mein Tonfall ist teilweise etwas ruppig, aber mein Ziel ist das selbe wie eures: Ein runder Abend an dem alle Beteiligten verdammt viel Spaß haben und die eine positive Erinnerung mit nach Hause nehmen können.

Techrider

Kurz gefasst: Tontechnik & Lichttechnik sind komplexe Aufgaben. Techniker planen in der Regel für mehrere Bands an einem Abend oder einem ganzen Festivalwochenende. Wir können und wollen diese Komplexität mit Vorbereitung in den Griff bekommen und euch alle technischen Vorraussetzungen bieten, damit ihr eure Kunst so gut wie möglich vortragen könnt.

Ein Techrider ("Technical Rider" – Bühnenanweisung) ist dazu da uns die Möglichkeit der Vorbereitung zu geben. Verwehrt ihr uns diese Möglichkeit durch einen schlechten oder komplett fehlenden Techrider, wird der Abend in der Regel sowohl für uns als auch euch stressig. Und dadrauf hat keiner so richtig Bock.

Do:

  • Telefonnummer und E-mailadresse. Gibt es diese nicht, kann ich euch bei Fragen nicht kontaktieren, ihr müsst dann mit meiner Entscheidung leben. Kopfzeile. Details

  • Bandname. Klare Druckschrift, Kopfzeile. Details

  • Datum des Techriders. Kopfzeile. Details

  • Kanalliste. Alle Instrumente, die ihr in diesem Konzert verwenden werdet. Schlagzeugkessel einzeln. Gesangsmikrofone. Mikrofontypen sind maximal Präferenzen. Details

  • Bühnenplan. Schwarz-/Weißzeichnung, nur Umrisse. Positionen der Instrumente, Musiker, Signalausgänge (Sampler, Keys, Bass), benötigte Steckdosen. Details

  • Monitore. Wie viele benötigt ihr, wo stehen diese? Spielt ihr mit InEar System? Wenn Funk, welche Frequenzbänder nutzt ihr? Details

  • Einspieler. Bitte parallel zum Techrider mitschicken oder besser noch einen Downloadlink. Details

  • Zwei Seiten. Passt euer Techrider für die Tontechnik nicht auf zwei Seiten habt ihr zu viele unnötige Details, oder zu viele Voraussetzungen. Details

  • PDF Format. Einfache Sans-Serif Schriftart. Schwarz auf Weiß.

  • Musikgenre nennen. Je weiter ab vom Mainstream, desto wichtiger ist die Nennung. Details

Don't:

  • Facebook oder Twitter als einzige Kontaktmöglichkeit. Abgemeldete Telefonnummern, E-mailadresse die nicht abgerufen wird.

  • Bandlogo. Kann ich nicht lesen, nimmt unnötig Platz weg und bringt keinen Mehrwert.

  • Dekorationen oder Fotos.

  • Schlagzeugkessel nicht auflisten. Akustikgitarre nicht erwähnen.

  • Zwei Monitore pro Position einzeichnen.

  • Word-Dokument, XPS, Excel-Tabelle oder andere skurile Formate. Kann und werde ich nicht öffnen. Details

Detailerklärungen

Kontaktmöglichkeit

Im Idealfall sollte ein Techrider selbsterklärend sein und ich habe die Möglichkeit all eure Wünsche zu erfüllen. In der Regel ist das aber nicht der Fall. Wenn ich Sachen einfach nicht verstehe, oder sie zweideutig sind, versuche ich euch zu kontaktieren um Klarheit zu schaffen. Wenn ich Anforderungen mangels Umbauzeiten, vorhandenem Material oder den Räumlichkeiten nicht erfüllen kann, versuche ich euch zu kontaktieren um einen Kompromiss auszumachen.

Habe ich keine Kontaktmöglichkeit, schadet ihr euch selbst - ihr müsst mit meiner Interpretation, meiner Lösung für das Problem leben. Auch wenn sie euch nicht schmeckt.

Bandname

Wenn ich 5 oder mehr Bands an einem Abend betreuen muss, möchte ich die Namen wissen um euch und den Techrider eindeutig zuordnen zu können. Euer Bandlogo ist dabei hinderlich, weil ich es besonders im Fall von Metalbands nicht entziffern kann. Es bietet einfach überhaupt keinen Mehrwert und nimmt wertvollen Platz auf der Seite weg.

Beim schnellen durchblättern meiner Mappe mit Techridern ist der Bandname in einfacher, fetter Druckschrift in der Kopfzeile die beste Möglichkeit.

Datum

Dies ist die Revisionsnummer für den Techrider. Wenn ich mehrere Dateien vom Veranstalter, vom Manager oder sonst wem zugeschickt bekomme, werde ich ausschließlich den neusten Techrider beachten. Ist dieser älter als ein Jahr werde ich misstrauisch und versuche ihn mit euch zu überprüfen - Haltet daher einfach das Datum stets aktuell, nehmt veraltete Versionen aus dem Internet, schickt ausschließlich den neusten Techrider ab.

Kanalliste

Eine einfache Tabelle mit Kanalnummer, Instrument/Kessel, Bühnenposition, Mikrofonpräferenz, Details. Wenn es mir möglich ist und die Präferenz sinnvoll ist, versuche ich diese zu erfüllen. Bitte schreibt nicht einfach die teuersten Mikrofone auf die ihr bei Thomann findet. Das ist absoluter Schwachsinn, der aber leider weit verbreitet ist. Wenn Ihr eigene Mikrofone mitbringt (Gesangsmikrofone o.ä.) schreibt dies in die Details.

Bühnenplan

Die Zeichnung sollte auf den ersten Blick komplett verständlich sein. Bitte verschwendet eure Zeit nich darauf, tolle Zeichnungen einer Gitarre oder Fotos von euren Effektpedalen einzubauen – vollkommen wertlos.

Einfache Kasten einzeichnen mit den groben Positionen eurer Instrumente und Verstärker, jeweils den Namen mit Bezug zur Kanalliste in den Kasten schreiben. Für das Schlagzeug reicht ein großer Kasten, falls Linkshänderaufstellung, notieren. Zeichnet benötigte Steckdosen mit einem Blitz oder "AC" ein. Zeichnet benötigte DI Boxen an den jeweiligen Position ein. Zeichnet die benötigten Monitore, sowie deren Ausrichtung ein.

Die Zeichnung sollte ca. eine halbe bis dreiviertel Seite einnehmen, falls noch Platz übrig ist einfach die gesamte zweite Seite.

Das Programm Inkscape bietet sich hier prima an. Es ist kostenlos und funktioniert mit jedem Betriebssystem.

Monitore

Ich habe eine begrenzte Zahl an Monitoren und entsprechenden Monitorwegen. Diese werde ich so sinnvoll wie möglich aufteilen, im Idealfall genau wie ihr es wünscht.

Bitte zeichnet keine doppelten Monitore ein. Ihr vergeudet wertvollen Platz auf eurem Bühnenplan. Wenn ich die Möglichkeit habe, bekommt ihr doppelte Monitore, wenn nicht, nicht.

Länge

Fünf oder mehr Bands am Abend sind keine Seltenheit. All diese Techrider muss ich mitführen, im Idealfall auch ausdrucken, damit ich diese auf der Bühne zur Hand habe. Wenn ihr mehr als zwei Seiten füllt, werden die zusätzlichen Seiten mit Sicherheit verloren gehen. Ich drucke keine Romane aus. Ein langer Techrider ist unübersichtlich und weniger hilfreich als ein detailarmer Techrider.

Zwei Seiten sind vollkommen ausreichend um alle wichtigen Informationen unterzubringen.

Musikstil

Bei einem reinen Metalabend eher weniger wichtig, aber gerade wenn ihr etwas ab vom Mainstream seid ist das sehr hilfreich. Viele Tontechniker sind selber Musiker, oder hören privat sehr viel Musik. Aber auch wir kennen nicht jede beliebige Musikrichtung und wissen aus dem Stehgreif wie man diese am besten abmischt.

Wenn ihr wollt, dass ihr einen guten Sound für das Publikum habt, nennt den Musikstil. Ich höre mir in der Woche davor entsprechende Musik (oder, falls vorhanden, eure öffentlich verfügbaren Aufnahmen) an und versuche den Mix dahingehend zu orientieren. Eine Angabe wie "Poprock", "Classic Rock" oder "Dancehall" reicht mir komplett aus.

Dateiformat

Techrider haben als PDF Datei vorzuliegen. Word-Dokumente kann ich weder auf meinem Laptop noch auf meinem Tablet öffnen. XPS-Dokumente noch weniger. Pure Textdateien gehen zur Not, sind aber von der Textformatierung sehr eingeschränkt und daher unpraktisch.

PDF Dateien kann ich überall öffnen und einfach transportieren. Ich bin mir sicher, dass das was angezeigt wird das ist, was ihr geschrieben habt. Heutzutage können alle Textverarbeitungsprogramme die Dokumente als PDF abspeichern. Wenn ihr die Funktion nicht findet, nutzt Onlinedienste wie online2pdf.

Intros, Outros

Intros und Outros, die ich 5 Minuten vor dem Auftritt in die Hand gedrückt habe werde ich nicht abspielen. Auch nicht, wenn ihr "Bitte, bitte" sagt.

Leider ist dieses Verhalten weit verbreitet. Ich bringe heutzutage keinen CD Player mehr mit. Ich lasse euch nicht euer Telefon an meine Anlage anschließen. Ich spiele keine Intros oder Outros ab, bevor ich diese in Ruhe (Sprich: Zuhause oder im Soundcheck) angehört habe.

CDs sind die denkbar schlechtesten Abspielmedien in einer Liveumgebung, da diese verkratzen können, oder durch Vibrationen springen. Das ist weder in eurem, noch in meinem Interesse. Ich habe eigentlich immer die Möglichkeit eine MP3, WAV oder FLAC Datei abzuspielen. Am besten schickt ihr mir diese noch vor dem Konzerttag per E-mail zu. Ansonsten bringt mir diese auf einem funktionsfähigen USB-Stick mit und gebt ihn mir sobald ihr das Gebäude betretet. Ich werde sofort eine Kopie anfertigen und euch den USB-Stick wiedergeben.

Eurem Handy vertraue ich als Abspielgerät nicht weiter, als ich es werfen kann. Es wäre nicht das erste mal, dass ein Handy zu Konzertbeginn den Klingelton über die Lautsprecher ertönen lassen hat, oder auf einmal lustig herumknarzt. Dementsprechend schließe ich diese Teile nicht an. Ich werde sehr wahrscheinlich noch nichtmal ein passendes Kabel dafür haben.

Es ist üblich, dass Bands ihre Intros selber zusammenschneiden, mixen und "mastern". Leider oft auf einem Niveau, dass man die Dateien vor dem Abspielen nochmal nachbearbeiten muss, damit nicht die Technik oder das Gehör der Zuschauer permanente Schäden erleidet.

Soundcheck

Bei normalen Konzerten wird versucht für jede Band ein Soundcheck zu ermöglichen. Dies geschieht im Normalfall in umgekehrter Reihenfolge, die letzte Band in der Spielreihenfolge ist die erste Band beim Soundcheck. Bei einem Festival findet in der Regel nur ein sehr kurzer Check direkt vor dem Auftritt statt.

Seid pünktlich zum Soundcheck vor Ort, auf der Bühne und spielbereit. Nichts nervt mehr, als Leute zusammensuchen zu müssen damit der Soundcheck starten kann.

In einem Soundcheck gehen wir im Normalfall jedes Instrument einzeln durch, beginnend mit dem Schlagzeug. Spielt das Instrument, sobald ich euch dazu auffordere, und hört mit dem spielen nicht auf bis ich "Stopp" sage.

Was und wie spielen

Die ersten 5 Sekunden möglichst laut spielen, damit ich den Eingangspegel passend einstellen kann, also ordentlich in die Trommeln hauen und bei der E-Gitarre den Soloboost anschalten und gut reinlangen. Danach in eurer üblichen Lautstärke spielen.

Die Sänger/innen müssen laut hineinsingen. Wenn geshoutet wird, dies ebenfalls tun. Was ihr für einen Text singt ist mir total egal, wenn euch nichts einfällt, singt "Alle meine Entchen". Oft wird einfach nur "Ohhh" gesungen – das ist tatsächlich schlecht und nutzlos. Bei Sängern interessieren mich am meisten die zisch-Laute (s, t) und Pop-Laute (p, b), da diese am problematischsten sind.

Monitorwünsche

Hört bei jedem Instrument, dass wir gerade prüfen hin. Ist es für euch zu laut oder zu leise? Wenn ihr schon direkt Monitorwünsche habt, haltet euren Arm hoch. Ich werde euch dann einzeln anschauen und den Pegel anpassen. Sobald der Pegel passt, nehmt ihr den Arm herunter.

Nachdem wir alle Instrumente durchgetestet haben, solltet ihr einen Song anspielen. Dies gibt mir die Möglichkeit den Sound im gesamten anzupassen. Ihr hört hier wie der gesamte Bühnensound für euch ist. Mir reichen ein bis zwei Minuten, danach pausieren. Monitorwünsche äußern, anpassen, Song spielen. Das wiederholen wir so lange, bis alle glücklich sind.

Fremdtechniker

Wenn ihr fremde Tontechniker oder Lichttechniker mitbringt, ist es wichtig dies vorher zu wissen. Gebt mir einen direkten Kontakt zu diesem Techniker mit. Ich werde im Vorfeld der Veranstaltung die technischen Gegebenheiten durchreichen, damit der Ablauf so entspannt wie möglich ist.

Lasst ihr diese Information weg und 5 Minuten vor dem Auftritt taucht irgendwer bei mir am Pult auf werde ich stutzig.

Ganz wichtig: Seid ehrlich und offen. Wir haben alle mal bei null angefangen, ausgestattet mit einem kleinen Bündel Halbwissen. Meinem Gefühl nach gibt es in der Branche überwiegend Quereinsteiger. Dementsprechend reißt euch niemand den Kopf ab wenn ihr etwas nicht versteht, mit dem Mischpult nicht umgehen könnt oder doppelt fragen müsst.

Was uns aber richtig annervt ist herumgetue. Es ist absolut unnötig, ihr verliert sofort unseren professionellen Respekt und werdet im Zweifel nach dem zweiten Song vom FOH Platz verwiesen. Sagt ihr mir, dass ihr das gerade zum fünften mal macht und noch nicht so fit seid stehe ich gerne beim Auftritt neben euch, übernehme zur Not und beantworte all eure Fragen, gebe Tipps.

"Fake it 'till you make it" funktioniert hier nicht.

Beispiel

Ich habe einen beispielhaften Techrider vorbereitet. Den könnt ihr euch als odt-Dokument oder PDF-Datei herunterladen, bearbeiten und verwenden wie ihr wollt. Den darin verwendeten Bühnenplan gibt es auch als Vektorgrafik.

Fragen, Kritik, Anregungen, Gemecker

Ich bin nur ein Techniker. Das sind die gesammelten Erfahrungen der letzten Jahre. Es gibt viele verschiedene Arbeitsweisen, aber im Kern läuft es immer auf diese Grundsätze hinaus.

Wenn ihr Kritik habt, glaubt dass ich hier Mist erzähle oder noch ein paar nennenswerte Anmerkungen habt, schickt mir eine E-mail.

Wenn ihr Sachen noch nicht verstanden habt, mit der ganzen Sache überfordert seid oder einfach irgendwelche Fragen habt, schickt mir eine E-mail. Es gibt keine dumme Fragen, und eine doppelt gestellte Frage stört weniger als eine nicht gestellte Frage und daraus resultierende falsche Annahme.

Ihr dürft und sollt diesen Text mit euren Bandkollegen teilen. Schickt ihn an befreundete Bands. Hängt ihn im Proberaumzentrum an's schwarze Brett.